Ideenbüro Schmitten <«Es war schön, helfen zu können»

25 Feb 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Jahr lang haben die Kinder des Ideenbüros Schmitten ihren Schulkameraden bei Problemen geholfen. Die Bilanz dieses im Kanton Freiburg einmaligen Projekts fällt bei Kindern und Lehrpersonen gleichermassen positiv aus.

 

«Hallo, wir sind die neuen Kinder des Ideenbüros.» Mit diesen Worten stellte sich gestern Morgen eine Gruppe von Fünftklässlern ihren Mitschülerinnen und Mitschülern an der Primarschule in Schmitten vor. Diese neun Kinder stehen nun ein Jahr lang für Beratungen zur Verfügung. Wer das Angebot des Ideenbüros in Anspruch nehmen will, füllt einen Zettel aus und erhält dann eine Einladung für ein Gespräch. «Wir sind vertrauenswürdig und behalten eure Probleme für uns», sagte ein Schüler.

 

Es ist bereits die zweite Generation von Ideenbüro-Kindern, die am Start ist. Vor einem Jahr hat die Schule Schmitten das Angebot als Premiere im Kanton Freiburg eingeführt (die FN berichteten). 26 Fälle haben die Kinder in Dreiergruppen betreut und erfolgreich abgeschlossen. Es ging dabei einerseits um kleinere Probleme im Alltag, die auf den ersten Blick nicht so spektakulär, aber für die betroffenen Kinder wichtig sind und vom Ideenbüro ernst genommen wurden.

 

Praktische Tipps
So konnte die Gruppe etwa einem Schüler helfen, der immer ein Chaos in seinem Pult hatte und deshalb die Sachen nicht fand. Ein anderes Kind hatte Mühe, sich in der Mathematik zu konzentrieren. «Wir haben ihm geraten, vor der Stunde ein paar Runden zu rennen und etwas Wasser zu trinken», erzählt Nadia. Ein Schüler vergass oft seine Hausaufgaben. «Er legt nun immer einen Zettel aufs Pult oder schreibt es sich auf die Hand», sagt Cindy.

 

Die Ideenbüro-Mitglieder haben auch einem Mobbingopfer geholfen, indem sie den anderen Kindern ihr Handeln vor Augen führten. Manchmal reichte eine Sitzung, ab und zu waren mehrere Treffen nötig, bis das Problem gelöst war.

 

Bei den meisten Fällen fanden die Kinder selbst eine Lösung, sei es durch eigene Erfahrung oder weil ihre Klassenlehrerin ihnen in ähnlichen Fällen schon Tipps gegeben hatte. Wenn nicht, konnten sie die verantwortliche Lehrerin Christina Gauch um Rat fragen (siehe Kasten). Diese hat regelmässig nachgefragt, die Kinder aber ansonsten alleine machen lassen. «Die Ideenbüro-Mitglieder wissen, dass sie bei schlimmen Fällen oder solchen, bei denen sie selbst nicht weiterwissen, zu mir kommen müssen», sagt sie.

 

Ansonsten gilt zwischen beratenden und ratsuchenden Kindern das Vertrauensprinzip: Die Probleme, die im Ideenbüro besprochen werden, sind vertraulich.

 

Ein lautes «Jaaaaa!» folgt aus allen neun Kehlen auf die Frage, ob es den Ideenbüro-Kindern gefallen hat. Und ebenso überzeugt bejahen sie die Frage, ob sie das Ämtli wieder übernehmen würden oder gerne weitergemacht hätten. Christina Gauch bestätigt, dass die Kinder äusserst motiviert waren. Wenn während längerer kein Zettel im Briefkasten lag, haben die Ideenbüro-Kinder in den Klassen Werbung gemacht und ihr Angebot in Erinnerung gerufen.

 

Deborah, eines der Kinder aus der Gruppe, fasst es für alle zusammen: «Es war schön, anderen helfen zu können, damit es ihnen besser geht und alle zufrieden sind. Man lernt im Ideenbüro, Konflikte von beiden Seiten anzuschauen.»

 

Bilanz: «Die Ideenbüro-Kinder waren sehr gewissenhaft»
Christina Gauch ist Gesundheitsverantwortliche an der Schule Schmitten und Initiantin des Ideenbüros. Dieses Hilfsangebot von Kindern für Kinder wird mittlerweile an über 50 Schulen in der Schweiz eingesetzt. «Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen», zieht Christina Gauch nach einem Jahr Bilanz. Sie ist begeistert über den Einsatz der ersten neun Ideenbüro-Kinder. «Sie haben es perfekt gemacht.» Die Mädchen seien sehr gewissenhaft ans Werk gegangen und hätten «ihre» Fälle auch nach Monaten noch im Auge behalten und bei den Betroffenen nachgefragt. Es seien oft nur ganz kleine oder in den Augen von Erwachsenen sogar harmlose Dinge. «Aber sie beschäftigen die Kinder oder belasten sie sogar. Also ist es gut, wenn sie sich Gleichaltrigen anvertrauen können.» Das Ideenbüro sei gut für eine Schule. «Ich kann es nur weiterempfehlen», so Christina Gauch.

 

 

 

Autor: Imelda Ruffieux

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